"Gemeindeeigener Sportplatz" oder DJK-Pachtgelände?
Jahreshauptversammlung der Viktoria - Knatsch um den Kunstrasenplatz - DJK sieht Nutzungsrecht durch Pachtvertrag auf ihrer Seite
Edingen-Neckarhausen. (nip) "Kein anderer Sportverein in der Gemeinde wird so stiefmütterlich behandelt." Bernhard Rudolf, der Vorsitzende des FC Viktoria 1908 Neckarhausen e.V. sprach in der Jahreshauptversammlung des Vereins von vier Nackenschlägen, die "man", also die Gemeinde, ihnen innerhalb kürzester Zeit verpasst habe: Vergabe des Kunstrasenplatzes ans DJK-Vereinsgelände, geplanter Wegfall des Sportplatzes (siehe Gutachten des MVV Büros "Regioplan"), die Zurückstellung der Viktoria-Bitte auf Errichtung eines kleinen Verkaufshäuschens zur wetterunabhängigen Bewirtung bei Heimspielen auf dem Kunstrasenplatz und die Vergabe der Trainingszeiten auf diesem.
Zwar habe die Verwaltung die Nutzung des Kunstrasenplatzes für Trainingseinheiten der ersten Mannschaft auf Bitten der Viktoria neu vermittelt, weil die DJK nicht bereit gewesen sei, montags oder dienstags Zeiten einzuräumen. Der Gemeinderat habe dem Vermittlungsvorschlag als vorübergehende Übergangslösung zugestimmt. "In meinen Augen ist das eine klare Mogelpackung", so Rudolf weiter. Denn der Plan sehe genau dieselben Zeiten wie in der letzten Saison vor. Lediglich der Zusatz "Alte Herren" sei bei der Viktoria gestrichen worden. Ansonsten sei keine einzige Minute mehr genehmigt worden.
Es sei ja in Ordnung, so der Zweite Vorsitzende Tobias Hertel dazu, dass die höherklassige erste Mannschaft der DJK dreimal in der Woche trainiere. Allerdings könnte sie das, wie auch bei der Viktoria üblich, durchaus gemeinsam mit der zweiten Mannschaft tun. Es sei unannehmbar, dass die Viktoria für ihre Erste Trainingszeiten dienstags erst ab 20 Uhr (auf dem halben Platz) bekomme.
Zumal der Prozess zwischen Gemeinde und einem Anwohner am DJK-Platz so enden könnte, dass nur noch bis 20.30 Uhr trainiert werden darf.
Nun mag man sich daran erinnern, dass Bürgermeister Roland Marsch beim Bau des Kunstrasenplatzes stets betonte, es handele sich um einen "gemeindeeigenen" Platz, DJK und Viktoria müssten sich daher bei der Belegung einigen. Das ist offensichtlich gescheitert.
Und überraschenderweise sieht die DJK Neckarhausen den Platz vor ihrem Vereinsgelände, für den im vergangenen Jahr durch öffentliche Gelder ein Kunstrasen angeschafft wurde, nun plötzlich als den ihren an. In einer schriftlichen Stellungnahme des DJK-Vorsitzenden Joachim Schwörer an die Gemeinde zum Thema Nutzungsregelung heißt es, die Kommune habe mit Pachtvertrag vom 26. März 1958 der Katholischen Kirchengemeinde Neckarhausen besagtes Grundstück zur Anlage eines Sportplatzes überlassen. Man dürfe daher nicht, beziehungsweise nicht mehr, die Begriffe "Gemeindesportplatz" oder "gemeindeeigener Sportplatz" verwenden. Diese Terminologie entstelle nicht nur die tatsächlichen, sondern auch bestehende rechtliche Verhältnisse und erwecke dadurch Erwartungen und Begehrlichkeiten. Nun stehe zwar fest, dass die Gemeinde Edingen-Neckarhausen nach wie vor Eigentümerin des an die katholische Kirchengemeinde verpachteten Grundstücks sei. "Dieses Eigentum ist jedoch für die Dauer des laufenden Pachtvertrages überlagert von dem grundsätzlich dem Pächter alleine zustehenden Nutzungsrecht."
Nun gibt es zwar eine Zusatzvereinbarung über die gemeinschaftliche Nutzung der Sportplätze in Neckarhausen, die der damalige Pfarrer Georg Schmitt am 29. Juni 2009 unterzeichnete. Über die Häufigkeit der jeweiligen Nutzung, so das Argument von Rechtsanwalt Schwörer, sagte die Vereinbarung nichts aus.
Kurz gesagt, sieht die DJK das Nutzungsrecht auf ihrer Seite.
Auf Anfrage der RNZ erklärte Bürgermeister Roland Marsch, man wolle die Stellungnahme Schwörers nicht unwidersprochen stehen lasse. Man werde in Abstimmung mit dem Gemeinderat den Vorgang um den Pachtvertrag rechtlich prüfen lassen.