"Ein SV Neckarhausen wäre die Zukunft"
RNZ-Gespräch mit Viktoria und TV Neckarhausen - Vereine machen sich Gedanken um ihre Zukunft
Edingen-Neckarhausen. (nip) "Wir machen uns Gedanken, noch keine Sorgen", erklärt Hans Nicht, der Vorsitzende des Turnvereins Neckarhausen (TVE). Mit ihm, Vorstandsmitglied Horst Gropp und den Vorständen des FC Viktoria Bernhard Rudolf, Tobias Hertel und Theo Schröder traf sich die RNZ zum Pressegespräch. Thema war das zweite Sportstättengutachten, das gerade diesen beiden Vereinen dann Sorgen machen müsste, wenn es kein reines Schubladenpapier bleibt.
Viktoria und TVN - diese beiden Vereine spielen in dem Gutachten eine besondere Rolle deshalb, weil der Hartplatz bei der Viktoria spätestens in sechs Jahren wieder ein Sanierungsfall sein soll und die Außenanlagen des TVN für Tennis und Leichtathletik "selten genutzt, kaum gewartet und nicht mehr zeitgemäß" seien. Das Gutachten weise Widersprüche auf, meint Nicht. Einmal sei die Demografie der Mitglieder zu wenig berücksichtigt. Die Planer gingen von Trainingszeiten aus, die gar nicht zu halten wären. "Die Schulen gehen in Ganztagsschulen über. Trainingszeiten am frühen Nachmittag brauchen wir gar nicht anbieten." Es sei auch nicht richtig, so Tobias Hertel, dass der Trainingsbetrieb auf den Plätzen bis 22 Uhr laufe. "Zwischen den Anwohnern und der DJK gibt es einen gerichtlichen Vergleich, der besagt, dass der Platz nur bis 21 Uhr genutzt werden darf." Das Argument, es gebe Überkapazitäten, hält Rudolf für "großen Quatsch". Als Ausnahme würden die Bambinis bereits um 15.30 Uhr trainieren, alle anderen nicht vor 17 Uhr. Schließlich arbeiteten auch die Trainer so lange. "Man kann kein Sportgelände von morgens bis abends verplanen." Zurzeit habe man 26 Mannschaften von Fortuna, Viktoria und DJK auf zwei ganzjährig bespielbaren Plätzen. Der neue Jugendfußballclub sei da noch gar nicht eingerechnet.
Beiden Vereinen wäre es am liebsten, man würde sie am angestammten Platz in Ruhe lassen. Verschlechtern wollen sie sich nicht, weder der TVN mit dem Bau einer kleineren Halle, die ihm nicht mehr gehören würde, und weder die Viktoria, der man vielleicht den Platz wegnehmen will. "Es ist doch der Tod für jeden Wirt, wenn er ein Clubhaus ohne Sportplatz hat - gravierend ist, dass diese Variante für die Gemeinde wirtschaftlicher wäre." Wirtschaftlich deshalb, weil das Gutachten hier Wohnbebauung empfiehlt. Gropp erinnert daran, dass das Areal aber im alten Kiesloch liegt, umgeben von massiven Kanalschächten.
Auch das Argument, es gebe Konfliktpotenzial mit den Anwohnern, lassen sie so nicht gelten. "Wenn bei uns die Plätze dichtgemacht und bebaut werden und alles auf dem DJK-Platz spielt, liegt dieser dann ja auch mitten im Wohngebiet." Neuer Ärger wäre vorprogrammiert.
Gerade die Viktoria ist derzeit recht erbittert. Einerseits gebe es massive Probleme, so Hertel, auf dem Kunstrasenplatz Trainingszeiten zu bekommen. Bei Jugendturnieren müsse man alles hoch ins Sport- und Freizeitzentrum nach Edingen karren, meint Rudolf. "Man mutet uns viel zu; wir opfern viel Zeit, um den Verein am Leben zu halten." Und: "Wenn man uns abwickeln will, dann soll man uns das von Gemeindeseite her sagen." Nicht fügt an: "Oder auch, wenn man eine Konzentration aller sportlicher Aktivitäten Richtung Edingen will."
Die Viktoria sieht für sich folgende Optionen: Einen Verbleib am Ort mit saniertem (Kunstrasen-) Platz oder einen Umzug ins Sport- und Freizeitzentrum. Dieses Angebot habe man kürzlich erst zu gewissen Bedingungen erneuert, schildert Hertel. Die dritte Lösung, die Viktoria und TVN ins Spiel bringen, klingt innovativ: "Ein Sportverein SV Neckarhausen wäre die Zukunft", findet Nicht. Ein großer Sportverein also, zwei Sportplätze und eine Halle. "Zwei Vereine wären sich schon einig", betonen TVN und Viktoria.
RNZ 13.09.2010, Nicoline Pilz