Neckarhausen: Bei der Viktoria-Hauptversammlung hagelt es Proteste wegen der Belegung des Kunstrasenplatzes / Fortuna oder TVN als Partner im Gespräch

Verein wehrt sich gegen "Mogelpackung"

Von unserem Mitarbeiter Achim Wirths

"Wenn man den FC Viktoria 08 nicht mehr haben will, dann soll man den Mut aufbringen und uns dies offen und ehrlich sagen." Vorsitzender Bernhard Rudolf war stinksauer und vom Inhalt der morgens vor der Hauptversammlung eingetroffenen Briefe mit einem "Eilt"-Vermerk aus dem Rathaus maßlos enttäuscht. Das Meinungsbild lässt sich so zusammenfassen: Man will die Viktoria austrocknen und am ausgestreckten Arm verhungern lassen.

Bernhard Biundo, Ehrenvorsitzender: "Mit diesem Verhalten der Gemeinde sind wir auf Dauer zum Tode verurteilt. Wir sollten die Gleichstellung auf anwaltlichem Weg erzwingen." Helmut Starke: "Wir müssen den Fokus auf eine Fusion legen, sonst landen wir langfristig im Minus." Rudolf: "Fusion mit wem? Entweder mit dem TV Neckarhausen oder der Fortuna. Die DJK wäre die schlechteste Lösung. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung sollten wir beschließen, ob wir ein Fußballverein bleiben oder Vielspartenverein werden wollen." Werner Hertel: "Wenn wir mit dem TV fusionieren, bleiben wir in Neckarhausen. Wenn wir mit der Fortuna fusionieren, gehen wir nach Edingen. Egal, welche Entscheidung fällt, wir müssen hinter ihr stehen."

"Vier Nackenschläge in kürzester Zeit" (Rudolf) habe der Verein zu verkraften: die Vergabe des Kunstrasenplatzes an die DJK, der geplante Wegfall des Sportplatzes bei Erhalt des Vereinshauses ("Regioplan"-Gutachten) und die Schreiben der Verwaltung, in denen zum einen dem Verein mitgeteilt wurde, dass der Antrag zur Errichtung eines Verkaufshäuschens am Kunstrasenplatz zurückgestellt wurde, und zum anderen der Vermittlungsvorschlag zur Nutzung des Kunstrasenplatzes.

Nachdem DJK und Viktoria sich nicht auf eine Lösung zur Platznutzung verständigen konnten, bat man die Verwaltung, einen Kompromiss zu finden. In Rudolfs Augen ist deren Vorschlag eine "Mogelpackung", da im Vergleich zur vergangenen Saison nicht eine zusätzliche Minute gewährt wurde. Vereinsvize Tobias Hertel sieht zwar die Notwendigkeit, dass eine in der Kreisklasse spielende Elf dreimal wöchentlich trainieren muss, aber "warum nicht zusammen mit der 2. Mannschaft, was normal ist?" Dienstags darf die Erste der Viktoria ab 20 Uhr auf den Platz, wobei noch ein Prozess eines Anwohners anhängig ist, der so enden könnte, dass der Trainingsbetrieb ab 20.30 Uhr eingestellt werden muss. Die neue A-Jugend-Mannschaft erhielt gar keine Trainingszeit.

Laut vorgeschlagenem Belegungsplan, der bereits den Gemeinderat passiert hat, stehen der DJK 18,5 Stunden zu, der Viktoria 3,5. Geht es nach DJK-Chef Joachim Schwörer, müsste die Viktoria froh sein, dass man sie überhaupt dort spielen lässt. Dies geht aus einem Schreiben an die Verwaltung hervor, das der Viktoria vorliegt. Schwörer verbat sich darin die Begriffe "gemeindeeigener Sportplatz" und "Gemeindesportplatz". Er verwies auf den Pachtvertrag, den die Kommune 1958 mit der Katholischen Kirche geschlossen hat. Die Gemeinde sei zwar Eigentümerin des Geländes, aber: "Dieses Eigentum ist jedoch für die Dauer des laufenden Pachtvertrages überlagert von dem grundsätzlich dem Pächter alleine zustehenden Nutzungsrecht." Ein Widerspruch zu der Terminologie von Bürgermeister Marsch, der den mit Steuergeldern gebauten Kunstrasenplatz stets als Gemeindesportplatz bezeichnet. Es gibt zwar eine Zusatzvereinbarung über eine gemeinschaftliche Nutzung, die 2009 vom damaligen Pfarrer Schmitt unterzeichnet wurde. Schwörer beruft sich jedoch darauf, dass darin über die Häufigkeit der Nutzung nichts steht.

Mannheimer Morgen
28. Juli 2010